Nach der 3:0-Klatsche bei den Niederländern tritt eine offenbar verunsicherte deutsche Nationalmannschaft am Dienstagabend um 20.45 Uhr im Stade de Paris zum Rückspiel gegen die Franzosen an. Wer das Spiel der Deutschen in Amsterdam gesehen hat, dem kann angst und bange werden: Bisher kein Tor geschossen, drei Gegentore. Und das wird wohl in Paris nicht besser werden. Da droht dem DFB in der Nations League der Abstieg aus der Liga A.

Jogi Löw hatte ja angekündigt, er werde weiterhin auf den Bayernblock setzen. Naja, das war wohl nix. Als ob die Krise bei den Bayern nicht schon genug Anschauungsmaterial geliefert hätte. Beim Führungstor von Oranje unterlief Neuer eine Ecke und Babel kam trotz Bewachung durch Hector und Hummels zum Kopfball. Neuers Unsicherheit überträgt sich auf die ganze Abwehrreihe. Auch Hummels´ Stellungsspiel hat erheblich nachgelassen, wie zu sehen war. Boateng war offenbar nicht wirklich fit und hatte in der 2. Halbzeit zunehmend Probleme, musste dann aber bis zum Ende durchspielen. An Thomas Müller liefen viele Angriffe vorbei; trotzdem hatte er zwei gute Chancen. Den einen Ball hielt der aufmerksame Torwart Cillesen, der zweite ging aus aussichtreicher Position ans Außennetz. So einen hätte Müller früher mühelos versenkt. Nur Joshua Kimmich machte auf seiner neuen Position im Mittelfeld eine gute Partie und spielte einige sehenswerte Pässe in die Spitze.

Vor allem bis zum 0:1, aber auch danach erspielte sich die deutsche Mannschaft eine ganze Reihe von Chancen. Aber es gibt derzeit niemanden, der die Dinger reinmacht. Timo Werner ist zwar unermüdlich links und rechts schnell, trickreich und einsatzfreudig unterwegs, aber er alleine kann so ein Spiel nicht entscheiden. Chancen waren genug da, aber der Bazillus der mangelnden Chancenverwertung hat die Mannschaft fest im Griff. Leroy Sane, Julian Draxler und Julian Brandt kamen zu spät.

In der 2. Spielhälfte fühlte man sich unübersehbar an die deutschen Gruppenspiele in Russland erinnert: Spielaufbau der deutschen Elf durch langsames, in die Breite gezogenes Ballbesitzspiel, Vollversammlung vor dem niederländischen Strafraum wie im Handball am Kreis – dann der Fehlpass und der überfallartige Konter durch schnelle Sturmspitzen. Dabei konnten die Deutschen noch von Glück sagen, dass die meisten Angriffe schlampig ausgespielt und die Chancen leichtfertig vergeben wurden.

Die Niederländer haben eine junge, talentierte, aber keine Übermannschaft. Für die Deutschen reichte es. Na dann, auf nach Frankreich!

Bei Mr Green gibt es folgende Quoten: Sieg Frankreich 1.95, Unentschieden 3.50, Sieg Deutschland 3.80. Viel Glück!