Wer verlässt zuerst das Tal der Tränen: Die Niederländer, die sich für die letzten beiden großen Turniere nicht qualifizieren konnten und sich in diesem Jahr mit Freundschaftsspielen begnügen mussten? Oder die Deutschen, die die Qualifikation zur Weltmeisterschaft 2018 mit zehn Siegen aus zehn Spielen bestanden und dann in Russland in der Vorrunde als Gruppenletzter kläglich ausschieden? Am Samstagabend um 20.45 Uhr treffen die beiden Mannschaften im 3. Spiel der Gruppe A1 in der Johan-Cruyff-Arena in Amsterdam aufeinander – zum ersten Mal wieder seit 2012.

Nach der verpassten WM-Qualifikation 2018 trat Dirk Advocaat als Nationaltrainer zurück. Seither ist Ronald Koeman neuer Bondscoach. Nach fünf Freundschaftsspielen in diesem Jahr mit wechselndem Erfolg endete das erste Pflichtspiel mit einer 1:2-Niederlage in der Nations League gegen den Weltmeister Frankreich im Stade de France in Paris. Die Defensive der Elftal hatte beim Führungstor der Equipe tricolore durch den völlig ungedeckten Kylian Mbappe einen totalen Blackout. Etwa nach einer Stunde trauten sich die Niederländer für kurze Zeit etwas zu und erzielten mit einem fein herausgespielten Spielzug den Ausgleich durch den ehemaligen Hoffenheimer Ryan Babel – mit dem ersten Schuss aufs französische Tor! Doch schon acht Minuten später stellte Oliver Giroud den alten Abstand wieder her.

Insgesamt war die Vorstellung der Bleus dominant und der Sieg zwar nicht glänzend, aber verdient. Auf Trainer Koeman dagegen wartet noch viel Arbeit.

Beim 0:0 der DFB-Elf gegen die Franzosen im ersten Gruppenspiel der Nations League konnten die Deutschen zwar nicht siegen, aber im Ganzen durchaus überzeugen. Das war besser als alles, was sie bei der WM gezeigt hatten. Doch in den letzten Wochen hat sich in der Mannschaft eine neue Baustelle aufgetan: der Bayernblock. Kurz gesagt: Hummels zu langsam, Müller nicht in Form, Boateng nicht richtig fit – ja, und Neuer hält neuerdings nicht mehr so wie früher. Neuers Durchschnitt liegt bei 77%, d.h. er hält normalerweise drei von vier Bällen, die aufs Tor kommen. Zur Zeit liegt er bei 58%, fast jeder zweite Ball ist also drin. Dass Hummels zu langsam geworden ist, konnte man beim Pokalendspiel gegen Frankfurt deutlich sehen. Und am Wochenende noch krasser beim 0:3 der Bayern gegen Mönchengladbach. Auch die Weltmeister kommen in die Jahre. Also auch viel Arbeit für Jogi Löw.

Für das Spiel am Samstag sind die Deutschen trotzdem leicht favorisiert.

Bei Mr Green gibt es folgende Quoten: Sieg Niederlande 3.40, Unentschieden 3.60, Sieg Deutschland 2.10. Viel Glück!