Der Bademeister gegen den Weltmeister: Im Eröffnungsspiel der neugeschaffenen Nationenliga trifft am Donnerstagabend in der Münchener Allianz-Arena die in Russland so schmählich untergegangene Nationalmannschaft Deutschlands auf den frischgebackenen französischen Weltmeister. Was die Equipe Tricolore derzeit kann, haben wir gesehen. Was die deutsche Mannschaft kann und wie es nach dem Desaster wieder aufwärts gehen soll, bleibt auch nach den Erklärungen von Trainer und Funktionären ein Rätsel.

Die UEFA Nations League ist ein neues europäisches Turnier der Fußballnationalmannschaften. Es wird 2018/19 zum ersten Mal zwischen den 55 Mitgliedsverbänden der UEFA ausgespielt. Es soll alle zwei Jahre stattfinden, jeweils zwischen den Europa- und Weltmeisterschaften. Für die Austragung sind die bisher für die sogenannten Freundschaftsspiele reservierten Termine eingeplant. Die erklärte Absicht ist, die Zahl der internationalen Freundschaftsspiele zu reduzieren, über deren abnehmenden Stellenwert und sinkende Zuschauerzahlen im Stadion und vor dem Fernseher sich mehrere Mitglieder beklagt hatten.

An Startgeldern und gestaffelten Siegprämien, die vornehm mit „Solidaritäts- und Bonuszahlungen“ umschrieben werden, sind für diese  Saison insgesamt 76,25 Millionen Euro geplant. Nun werden also auch die ehemaligen Testspiele, in denen mit Spielern, Spielzügen und –systemen experimentiert werden konnte, Wettbewerbscharakter haben, weil es um viel Geld geht. Ein weiterer Wettbewerb wird die sportliche und terminliche Belastung der Stammspieler weiter erhöhen und langfristig zu einem größeren Kader führen. Die Erfahrung wird zeigen, wie kleinere und größere Fußballnationen damit umgehen.

Zum Spiel: Von dem, was in der DFB-Spitze in den langen Wochen intensiven Schweigens beraten und beschlossen wurde, war in Löws Pressekonferenz am Mittwoch vergangener Woche nicht viel zu erfahren. In der Sache lief es hauptsächlich darauf hinaus, der Trainer habe in „allergrößter Fehleinschätzung“ zu sehr auf „Ballbesitzfußball“ gebaut. Tatsächlich demonstrierte die DFB-Elf in Russland, dass das Dogma vom Ballbesitzt ein gefährlicher Irrtum ist, wenn der Ballbesitz nicht Teil des Spiels, sondern eine eigene Spielphilosophie ist. Schnelle direkte Zuspiele und Ballstafetten, weiträumiges und schnelles Spiel ohne Ball, um Räume zu öffnen und Spieler in Position zu bringen, frühes und intensives Pressing und Gegenpressing, schnelles Umschalten von Defensive und Offensive und umgekehrt – man wird sehen, was Löw & Co. praktisch außer ein paar Personalwechseln zustande gebracht haben.

Wenn die Deutschen auf ihre großen Stärken Kampfgeist, Durchhaltevermögen und mannschaftliche Geschlossenheit zurückgreifen und den Franzosen einen packenden Fight liefern, können sie nur gewinnen, auch wenn sie im Ergebnis Lehrgeld zahlen müssen.

Bei Mr Green gibt es folgende Quoten: Sieg Deutschland 2.45, Unentschieden 3.25, Sieg Frankreich 2.85. Viel Glück!